16.07.2026
Auf der von Michael Müller geplanten DAV-Tour unserer Sektion zur Karlsbader Hütte (2260 m) in den Lienzer Dolomiten, die ich mit ihm bereits 2023 besuchen durfte, gab es diesmal einen Freiraum für diejenigen Teilnehmer, die sich in erster Linie für das Alpinklettern interessierten. Hierzu ist die Karlsbader Hütte ein idealer Standort, da viele Klettertouren in ganz unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden in Zustieg-Entfernung von 30-45 min. möglich sind. Da wir im Vorfeld nicht wussten, ob ein Materialtransport möglich ist, hatten wir das Klettermaterial für 3 Seilschaften auf die Teilnehmer Ursula, Rosi, Gerlinde, Susanne, Claudia, Nitsan und mich aufgeteilt.
Letztendlich organisierte der neue Hüttenwirt René den Materialtransport ab der Dolomitenhütte und der Aufstieg war ganz entspannt. Am ersten Tag erklommen wir den Seekofel über den Domeniggweg. Der Domeniggweg (UIAA III+) ist eine beliebte, 510 Meter lange Kletterroute durch die Nordwand des 2738 Meter hohen Seekofels. Es ist eine relativ einfache 11-Seillängen Route, die jedoch teilweise über loses Geröll führt und daher mit großer Vorsicht wegen Steinschlag Gefahr begangen werden musste. Schlüsselstelle war ein enger Kamin in den ersten Seillängen. Der Abstieg über den Seekofel Klettersteig war noch einmal Kräfte zehrend und da wir uns mit dem Finden des Einstiegs am Morgen sehr schwertaten, und erst um 11:00 Uhr in die Route eingestiegen sind, waren wir gleich am ersten Tag erst um 19:00 Uhr zurück und erschienen 1 Stunde verspätet zum Abendessen.
Ein Teil der Klettergruppe nahm am Dienstag den Laserz Klettersteig in Angriff, den im Laufe der Woche auch Michael und seine Truppe erklimmen wollten. Der Laserz Klettersteig ist eine schöne Ferrata durch die fast 400 m hohen Westabbrüche der Kleinen Laserzwand. Der durchaus anspruchsvolle Klettersteig (durchweg im C / D Bereich) hat eine Kletterlänge von 620 m, ist steil und ausgesetzt aber immer hervorragend durch ein Drahtseil gesichert und hält immer wieder gute Tritte zum Ausruhen bereit.
Susanne und Claudia dagegen nutzten den Dienstag zur Besteigung der Bügeleisenkante, eine eher leichte Kletterroute aber mit zwölf Seillängen sehr lang. Die Tour führt über die Westwand ebenfalls auf die Kleine Laserzwand (2568 m) und wir konnten die beiden vom Klettersteig aus immer wieder beobachten.
Da ihre Tour deutlich länger dauerte als der Klettersteig nahmen wir den Abstieg zur Hütte separat in Angriff; eigentlich treffen sich beiden Touren oben auf der Kleinen Laserzwand.
Die Königstour war für Mittwoch geplant, und zwar mit der Begehung der Nordwestkante der Vorderen Gamsspitze (2454 m), die wir mit zwei 2er Seilschaften (Ursula/Rosi und Susanne/Klaus) angingen. Es handelte sich um eine acht Seillängen Tour, die durchweg im oberen Dreier und Viererbereich angesiedelt ist. Hier ging es am Anfang wieder durch einen Kamin und ein Großteil der Route verläuft über steile Platten, die jedoch immer wieder gute Griffe und Halt boten, teilweise musste man jedoch auf die Felskante ausweichen.
Die Tour endet am Ende des Madonnen Klettersteig, wobei wir uns diesen die letzten Meter abgeseilt haben, da wir aus Gewichtsgründen kein Klettersteig Set mitgenommen hatten. Nach dem Abstieg zum Kerschbaumer Törl (2285 m) war da nicht mehr weit zu kalt vor der Hütte und wir kamen nach einer fantastischen Tour bei bestem Wetter dort an.
Eine dritte Tour war dann für Freitag geplant und diesmal ging es den Haspinger Weg hinauf zur Kleinen Teplitzer Spitze (2613 m); die Tour bietet sechs Seillängen (ca. 250 m) im Schwierigkeitsgrad IV (UIAA). Um Einstiegsprobleme zu vermeiden, erkundeten wir am Vortag den Einstieg, der unweit der Hütte über steiles Geröll und eine felsige Quertrasse gut zu erreichen war.
Die Tour war insbesondere auf den ersten drei Seillängen anspruchsvoll, wobei sich ein feuchter Übergang am Ende der zweiten Seillänge weniger dramatisch als beschrieben darstellte. Auch diese Tour absolvierten wir ohne Zwischenfälle und der Abstieg erfolgte durch das Ödkar erneut zum Kerschbaumer Törl und von dort 45 Minuten weiterer Abstieg zur Karlsbader Hütte.
Beim Abstieg sahen wir auf die Große Teplitzer Spitze um die die Klettertour verlängerbar wäre und auch auf den Simonskopf (2687 m) auf der anderen Seite des Ödkars, der auch eine schöne und anspruchsvolle, erschlossene Kletterroute bereit hält.
Es gäbe also noch ausreichend Pläne, die Karlsbader Hütte in den Lienzer Dolomiten ein weiteres Mal zu besuchen.
Alle durchgeführten Routen waren relativ gut gesichert und so trugen wir das Sicherungsmaterial (1 Satz Friends / 1 Satz Keile pro Seilschaft) weitestgehend immer nur Spazieren. Auch nahezu alle Stände waren sehr gut mit zwei Haken gesichert.
Bei bestem Wetter haben alle Touren viel Spaß und Freude bereitet und waren für Einsteiger und Fortgeschrittene immer eine gut zu schaffende Herausforderung.
Klaus Fuchs