07.08.2026
Noch zwei kurzfristigen Absagen machte sich am 08. Juli die Rumpftruppe aus vier Teilnehmern (Rieke Deumert, Christoph Eckert, Yannik Stoffel und ich, Klaus Fuchs) nebst unseren beiden Ausbildern Ingo Posth und André Degro auf dem Weg in die Schweiz zur Bergseehütte.
Wir trafen uns am Parkplatz des Göscheneralpsees, nachdem wir André am Bahnhof in Göschenen abgeholt hatten und Christoph, der in der Zwischenzeit in der Schweiz arbeitet und selbstständig anreiste. Die Bergseehütte ist nur per Fuß zu erreichen und der Aufstieg von der Göscheneralp dauerte ca. 2 Stunden mit dem Gepäck inklusive Kletterausrüstung. Die Hütte liegt auf 2370 m in den Urner Alpen im Kanton Uri und Toni Fullin ist dort seit nahezu 40 (!!) Jahren Hüttenwirt. Toni ist annähernd 80 Jahre alt und gilt als Kletterurgestein in der Schweiz. Sein Alter hält ihn nicht davon ab den Fußweg zur Hütte rauf und runter zu flitzen und auch die Touren in der Region instand zu halten. Er hat nahezu alle Kletterrouten (über 300 Seillängen insgesamt) und den Krokodil Klettersteige in der Region selbst angelegt und war natürlich unser prädestinierter Auskunftgeber in den nächsten Tagen, oder (dieses Wort hing er ans Ende jast jeden Satzes was in der Schweiz häufig zu hören ist)? Unsere Tour fiel genau in eine der extremen Hitzewellen dieses Sommers und während es im Saarland bis zu 40° Grad warm war, war es auf unserer Höhe bei Temperaturen mit gegen 20° tagsüber durchaus auszuhalten. Da es sich um eine Ausbildungstour handelte, starteten wir dann auch gleich am Nachmittag des ersten Tages nach Ankunft auf der Hütte an einem unweit der Hütte gelegenen Sportkletter-Felsen. Ganz typisch war der feste Granit, der uns auch in den nächsten Tagen immer wieder auf unseren Routen erwartete, aber auch viele steile Platten, die eine sehr gute Technik des Kletterns unter Reibung erforderte, um fehlende Halterungen und Spalten für Griffe auszugleichen. Da wir auch nach dem Abendessen erneut zu diesem Sportfelsen aufbrachen, war es schon ein langer Tag, der aufgrund der frühen Abreise ja bereits um 3:00 Uhr begann. Die Bergseehütte ist sehr gemütlich, wir hatten eine kleine Schlafkammer für uns zu sechst, das Essen war jeden Tag hervorragend. Was in den Schweizer Hütten immer sehr schön ist, dass nicht Einzelportionen, sondern Portionen pro Tisch serviert werden, dazu mit reichlich Nachschlagmöglichkeiten. Die fehlende Dusche konnte durch den nah gelegenen Bergsee ausgeglichen werden, wobei das schöne Wetter zwar immer wieder zum Baden einlud, aber das straffe Programm dies zeitlich nicht immer zuließ.
So starteten wir am Donnerstag zu einem Kletter-Lernfelsen, der im Vorfeld des Schijenstock (3.161 m) angelegt ist und auf vier Seillängen im Schwierigkeitsgrad 3-4 einen idealen Einstieg für den Kurs darstellte. Da alle Teilnehmer Vorkenntnisse im Felsklettern hatten, ging es in erster Linie darum
Sicherungstechniken innerhalb einer Seilschaft zu vertiefen. Der Lernfelsen war so angelegt, dass die Ausbilder im Prinzip fußläufig jeden Standplatz erreichen konnten und so immer mit Tipps und Anregungen zur Seite standen.
Am Freitag wollten wir uns dann doch in etwas schwierigeres Terrain vorwagen und teilten uns in zwei 3er Seilschaften; während Yannik und Rieke mit André unterwegs waren, bildete ich mit Christoph und Ingo eine Seilschaft und es ging auch darum noch einmal intensiv mit Doppelseil zu Sichern und zu Klettern. Tagesziel waren zwei dem Bergseeschijen (2.820 m) vorgelagerten Türme, auch Vorbau genannt, die wir mit jeweils zwei 2-3 Seillängen bis zum oberen 4er Schwierigkeitsgrad erkletterten. Die Routen verliefen teilweise zu dem bereits erwähnten Krokodilklettersteig dessen Felsformation an einer Stelle tatsächlich einem riesigen Korokodilmaul gleicht. An dieser Stelle seilten wir uns ab, um auch diese Technik noch einmal anzuwenden.
Für Samstag hatten wir eigentlich geplant über den Südgrat des Hochschijen (2.634 m) zu klettern. Allerdings handelt es sich hier um 10 Seillängen und für den Nachmittag gab es eine akute Gewittermeldung. Wir entschieden stattdessen den berühmten Südgrat (bis 5a) des Bergseeschijen anzugehen, da es hier die Möglichkeit gab die Route je nach Wetter früher oder später abzuseilen. Trotz frühem Start waren wir nicht die erste Seilschaft und auch hier erwartete uns griffiger, fester Granit und fantastische Platten- und Gratkletterei. Die auf der Webseite der SAC Sektion Angenstein gefundene Beurteilung, dass es sich vielleicht um die schönste Grattour des ganzen Landes handelt, wurde bestätigt. Die Hakenabstände waren teilweise doch sehr weit und wir Teilnehmer waren über die ein oder andere gelegte Zwischeesicherung sehr froh, die mich trotzdem nicht vor einem gimpflich verlaufenden Seilsturz bewahrte. Es war von vornherein klar, dass wir nicht bis auf den Gipfel aufsteigen werden und der stark zunehmende Wind veranlasste uns nach der 5. Seillänge zur Umkehr per Abseilen. Dies war auch eine wichtige Erkenntnis zum Thema Zeitmanagement, denn gerade in Mehrpersonen Seillschaften kann das Abseilen, auch bei nicht ausreichend Übung hierin, sehr zeitraubend sein. Auch hier ging es darum die Abläufe sauber aber dann auch zeitoptimiert auszuführen. Am Ende waren wir mit Pausen über 5 Std.für diese 5 Seillängen mit Auf- und Abstieg unterwegs. Es klingt wie aus einer anderen Welt, dass Toni Fullin den ganzen Weg zum Gipfel in seiner Glanzzeit innerhalb 8 Minuten und den Absteig innerhalb von 12 Minuten gemeistert hat. Bei aller Klasse bin ich jedoch kein Freund von ungesicherten Klettertouren da, egal bei welchem Niveau des Kletterers, das Risiko exponentiell ansteigt. So oder so jedoch eine absolut fantastische und kaum nachzuvollziehende Leistung nachdem man selbst im Südgrat geklettert ist.
Nach Rückkehr zur Hütte und noch etwas ausbleibendem Gewitter war dann doch noch ausreichend Zeit, erneut in den Bergsee zu springen und etwas länger dort zu verweilen.
André und Ingo stellten uns vor die Herausforderung, den letzten Tag Sonntag selbstständig zu planen. Diess war auch eine insgesamt sehr gute Erfahrung da neben Wetter, Routenlänge, deren Schwierigkeitsgrade, Aufteilung der Seilschaften und natürlich auch der Abstieg zum Auto und Rückreise berücksichtigt werden mussten. Wir entschieden uns daher zum Nahe unterhalb der Hütte gelegenen Klettergarten Glattenberg, der in eine Ost und West Sektion unterteilt ist. Hier stehen nahezu 20 1 bis 4 Seillängen in nach oben offenen Schwierigkeitsgarden zur Verfügung. Zunächst einmal wollten wir uns an einer Einzellänge des Schwierigkeitsgrad 6a versuchen. Leider stellte sich jedoch schnell heraus dass dies im Vorsteig für uns noch nicht machbar ist. Doch nachdem Ingo die Route dann erstmalig erklommen hatte und ein Toprope einrichtete, war es uns vereinzelt möglich, diese schwierigere Route zu bewältigen und dabei viel, insbesonde zur Reibungstechnik, zu lernen.
Um die Mittagspause auf der Hütte zu verbringen war im Anschluß im Westsektor die 4 Seillängen Tour „Hippy“ (bis 4c) geplant und am Nachmittag sollte im Ostsektor zum Abschluß noch eine einfache Route (Jugendweg -3 c) folgen. Der Aufstieg zur Hütte dauerte jedoch viel länger als geplant, da wir auch mit zwei Seilschaften auf der gleichen Route unterwegs fahren und so fiel die Nachmittagsroute aus und wir begaben uns direkt zum Abstieg zur Göscheneralp. Toni war so nett uns die Parkkarten zu entwerten, was uns immerhin ca. 40 CHF pro Fahrzeug einsparte.
Nach einem Abschlusskaffee auf der Göscheneralp traten wir die Heimreise nach 5 tollen, erlebnis- uns lehrreichen Tagen auf der Bergseehütte an. Diese verlief ohne Zwischenfälle und es war fast Mitternacht bis alle gut zu Hause ankamen.
Klaus Fuchs / August 2026